Strompreise in der Schweiz 2026: wo die Kilowattstunde am wenigsten kostet
In der Schweiz kostet dieselbe Kilowattstunde 9,64 Rappen in Zwischbergen (VS) und 43,61 Rappen in Kestenholz (SO). Ein Verhältnis von 1 zu 4,5 zwischen zwei Gemeinden desselben Landes, für ein völlig identisches Produkt. Hier die vollständige Rangliste 2026, die Zusammensetzung des Preises und was Sie wirklich tun können, wenn Ihre Gemeinde auf der falschen Seite der Tabelle liegt.
1. Unterschiede, die für Konsumenten nicht zu rechtfertigen sind
Die Zahlen dieses Artikels stammen aus den offiziellen Daten der Eidgenössischen Elektrizitätskommission (ElCom) für das Tarifjahr 2026. Sie betreffen die Referenzkategorie H4 — einen typischen 5-Zimmer-Haushalt mit Elektroherd und Tumbler, rund 4'500 kWh pro Jahr — und das Standardprodukt des örtlichen Netzbetreibers.
Von den 2'123 erfassten Gemeinden:
- Medianpreis: 27,89 Rp./kWh, also rund 1'255 CHF pro Jahr für unseren Musterhaushalt.
- Am günstigsten: 9,64 Rp./kWh in Zwischbergen (VS) — 434 CHF pro Jahr.
- Am teuersten: 43,61 Rp./kWh in Kestenholz (SO) — 1'962 CHF pro Jahr.
Anders gesagt: 1'528 CHF Differenz pro Jahr bei gleichem Verbrauch zwischen den beiden Extremen des Landes. Über zehn Jahre mehr als 15'000 CHF.
2. Was Sie wirklich bezahlen: vier Komponenten
Eine schweizerische Stromrechnung verrechnet nicht nur Strom. Sie addiert vier Blöcke, von denen nur zwei tatsächlich vom Markt abhängen. Hier der Durchschnitt der Kantone für 2026:
| Energie (der Strom selbst) | 11,63 ct./kWh |
| Netznutzung (Transport) | 11,23 ct./kWh |
| Netzzuschlag des Bundes (Förderung erneuerbarer Energien) | 2,26 ct./kWh |
| Kantonale oder kommunale Abgaben und Gebühren | 1,13 ct./kWh |
| Durchschnittlicher Haushaltspreis | 27,87 ct./kWh |
Zwei Lehren daraus. Erstens: der Transport kostet fast so viel wie der Strom selbst — das Netz macht rund 40 % der Rechnung aus, und es ist ein natürliches Monopol mit reguliertem, nicht verhandelbarem Tarif. Zweitens: der Netzzuschlag des Bundes — auf 2,3 Rp./kWh begrenzt — ist für alle gleich: er finanziert die Förderung erneuerbarer Energien und hängt nicht von Ihrer Gemeinde ab.
Die kantonalen und kommunalen Abgaben variieren dagegen enorm. Sie sind sogar die Haupterklärung für den höchsten Kantonspreis der Schweiz: in Basel-Stadt erreichen diese Abgaben allein rund 7,4 Rp./kWh, gegenüber einem schweizerischen Mittel von etwas mehr als 1 Rappen.
3. Die Rangliste der 26 Kantone
Kantonsdurchschnitt 2026, Kategorie H4, Standardprodukt, mit der entsprechenden Jahresrechnung für 4'500 kWh:
| 1. Zug (ZG) | 21,88 ct./kWh · 985 CHF |
| 2. Nidwalden (NW) | 22,06 ct./kWh · 993 CHF |
| 3. Zürich (ZH) | 24,76 ct./kWh · 1'114 CHF |
| 4. Genf (GE) | 24,88 ct./kWh · 1'120 CHF |
| 5. Uri (UR) | 25,07 ct./kWh · 1'128 CHF |
| 6. Tessin (TI) | 25,13 ct./kWh · 1'131 CHF |
| 7. Luzern (LU) | 25,41 ct./kWh · 1'143 CHF |
| 8. Obwalden (OW) | 26,53 ct./kWh · 1'194 CHF |
| 9. Wallis (VS) | 26,87 ct./kWh · 1'209 CHF |
| 10. Freiburg (FR) | 27,28 ct./kWh · 1'228 CHF |
| 11. Appenzell IR (AI) | 27,57 ct./kWh · 1'241 CHF |
| 12. Aargau (AG) | 27,73 ct./kWh · 1'248 CHF |
| 13. Jura (JU) | 27,90 ct./kWh · 1'256 CHF |
| 14. Schwyz (SZ) | 28,16 ct./kWh · 1'267 CHF |
| 15. Appenzell AR (AR) | 28,74 ct./kWh · 1'293 CHF |
| 16. Neuenburg (NE) | 28,88 ct./kWh · 1'300 CHF |
| 17. Graubünden (GR) | 29,20 ct./kWh · 1'314 CHF |
| 18. Bern (BE) | 29,35 ct./kWh · 1'321 CHF |
| 19. Thurgau (TG) | 29,43 ct./kWh · 1'324 CHF |
| 20. Glarus (GL) | 29,66 ct./kWh · 1'335 CHF |
| 21. St. Gallen (SG) | 29,80 ct./kWh · 1'341 CHF |
| 22. Waadt (VD) | 30,42 ct./kWh · 1'369 CHF |
| 23. Solothurn (SO) | 30,42 ct./kWh · 1'369 CHF |
| 24. Basel-Landschaft (BL) | 31,98 ct./kWh · 1'439 CHF |
| 25. Schaffhausen (SH) | 32,20 ct./kWh · 1'449 CHF |
| 26. Basel-Stadt (BS) | 33,25 ct./kWh · 1'496 CHF |
Quelle: ElCom / Open Data des Bundes, Tarifjahr 2026. Es handelt sich um Kantonsdurchschnitte: innerhalb eines Kantons können die Unterschiede zwischen Gemeinden erheblich sein.
Die Rangliste hält Überraschungen bereit. Genf ist der viertgünstigste Kanton der Schweiz — im Kontrast zu seinem Ruf in Sachen Lebenshaltungskosten. Zug und Nidwalden belegen die beiden ersten Plätze, unter 22 Rappen. Am anderen Ende überschreiten Basel-Stadt, Schaffhausen und Basel-Landschaft 32 Rappen: im ersten Fall wegen der Abgaben, in den beiden anderen vor allem wegen der Netzkosten (über 14 Rp./kWh).
4. Die zehn günstigsten Gemeinden der Schweiz
| Zwischbergen (VS) | 9,64 ct./kWh · 434 CHF |
| Rongellen (GR) | 10,47 ct./kWh · 471 CHF |
| Muntogna da Schons (GR) | 10,97 ct./kWh · 494 CHF |
| Zillis-Reischen (GR) | 11,47 ct./kWh · 516 CHF |
| Sils im Domleschg (GR) | 12,33 ct./kWh · 555 CHF |
| Sufers (GR) | 12,50 ct./kWh · 562 CHF |
| Brusio (GR) | 13,13 ct./kWh · 591 CHF |
| Simplon (VS) | 13,43 ct./kWh · 604 CHF |
| Andeer (GR) | 13,47 ct./kWh · 606 CHF |
| Ferrera (GR) | 13,47 ct./kWh · 606 CHF |
Ein Kanton dominiert die Tabelle: Graubünden, mit acht von zehn Gemeinden, fast alle im Domleschg und im Schamsertal. Die beiden anderen, Zwischbergen und Simplon, liegen im Wallis. Das Gemeinsame ist einfach: es sind Berggemeinden, die Wasserkraft produzieren, deren Einwohner von vor Ort erzeugtem Strom und einem kurzen Verteilnetz profitieren.
5. Die zehn teuersten Gemeinden
| Kestenholz (SO) | 43,61 ct./kWh · 1'962 CHF |
| Bischofszell (TG) | 41,37 ct./kWh · 1'862 CHF |
| Teuffenthal (BE) | 41,09 ct./kWh · 1'849 CHF |
| Niederhelfenschwil (SG) | 39,83 ct./kWh · 1'792 CHF |
| Murgenthal (AG) | 39,65 ct./kWh · 1'784 CHF |
| Vorderthal (SZ) | 39,10 ct./kWh · 1'760 CHF |
| Büren an der Aare (BE) | 38,77 ct./kWh · 1'745 CHF |
| Braunau (TG) | 38,71 ct./kWh · 1'742 CHF |
| Lengwil (TG) | 38,37 ct./kWh · 1'727 CHF |
| Innerthal (SZ) | 38,37 ct./kWh · 1'727 CHF |
Hier gibt es keine offensichtliche geografische Logik: Solothurn, Thurgau, Bern, St. Gallen, Aargau, Schwyz. Der gemeinsame Faktor ist eher struktureller Natur — kleine Netzbetreiber, die wenige Kunden auf weitem Gebiet versorgen, ohne eigene Produktion und ohne Grössenvorteile. Jeder Leitungskilometer muss auf eine begrenzte Zahl von Haushalten umgelegt werden.
6. Was das auf Ihrer Rechnung bedeutet
Für unseren Musterhaushalt mit 4'500 kWh pro Jahr:
| Günstigste Gemeinde (Zwischbergen, VS) | 434 CHF/Jahr |
| Günstigster Kanton im Mittel (Zug) | 985 CHF/Jahr |
| Schweizerischer Median der Gemeinden | 1'255 CHF/Jahr |
| Teuerster Kanton im Mittel (Basel-Stadt) | 1'496 CHF/Jahr |
| Teuerste Gemeinde (Kestenholz, SO) | 1'962 CHF/Jahr |
| Maximale Jahresdifferenz | 1'528 CHF |
Zum Vergleich: ein Haushalt, der 15'000 km pro Jahr elektrisch fährt, verbraucht rund 2'700 kWh zusätzlich. Der kWh-Preis seiner Gemeinde bestimmt also auch direkt die Kosten seiner Mobilität.
⚡ Der Strompreis in Ihrer GemeindeGemeindenamen eingeben: Preis 2026, Jahresrechnung, Vergleich mit dem Median und Rangliste →7. Nein, Sie können den Anbieter nicht wechseln (und darum)
Es ist die Frage, die immer kommt, und die Antwort enttäuscht: in der Schweiz ist der Strommarkt nur für Grossverbraucher liberalisiert, jene mit einem Jahresverbrauch über 100 MWh (100'000 kWh). Ein Haushalt verbraucht zwischen 2'000 und 6'000 kWh: er ist somit «gefangener» Kunde seines örtlichen Netzbetreibers, der auch sein Lieferant ist.
Eine vollständige Marktöffnung wird im Parlament regelmässig diskutiert, ist aber für Kleinverbraucher nicht in Kraft. Konkret können Sie den kWh-Preis nicht dem Wettbewerb aussetzen.
Ein Termin betrifft Sie hingegen jedes Jahr: die Netzbetreiber müssen ihre Tarife für das folgende Jahr bis Ende August publizieren. Das ist der Moment, in dem man erfährt, ob die Rechnung steigt oder sinkt — und der einzige Moment des Jahres, in dem das Thema wirklich lesbar wird.
8. Die vier verbleibenden Hebel
Ein anderes Produkt beim gleichen Anbieter wählen
Die meisten Netzbetreiber bieten mehrere Produkte an: ein Standardprodukt, ein «günstiges» (oft das billigste, mit banalerem Herkunftsmix) und ein oder mehrere teurere Ökoprodukte. Der Wechsel vom Standard- zum günstigsten Produkt des eigenen Anbieters ist der einzige tariflich real verfügbare Entscheid für einen Haushalt — und er erfolgt mit einem einfachen Formular.
Den Doppeltarif nutzen
Wendet Ihr Netzbetreiber einen Hoch-/Niedertarif an, senkt das Verschieben von Waschmaschine, Tumbler, Geschirrspüler und Ladevorgang des Elektroautos in die Niedertarifzeit die Rechnung, ohne die Verbrauchsgewohnheiten zu ändern — nur die Zeiten.
Die grossen Posten angehen
In einem schweizerischen Haushalt machen der Elektroboiler, eine allfällige Elektroheizung, der Tumbler und die Gefriertruhe den Grossteil des Verbrauchs aus. Ein Boiler auf 60 °C statt 70 °C, eine ersetzte alte Gefriertruhe, ein Wärmepumpentumbler: das sind Hunderte Kilowattstunden pro Jahr, mit sofortiger Wirkung auf alle folgenden Rechnungen.
Selbst produzieren
In einer Gemeinde, in der die kWh 40 Rappen kostet, wird der photovoltaische Eigenverbrauch viel schneller rentabel als in einer Gemeinde mit 15 Rappen: der Wert jeder selbst produzierten kWh ist genau der Preis, den Sie nicht bezahlen. Der lokale Strompreis ist also einer der ersten Parameter, die vor jeder Solar-Rentabilitätsrechnung zu prüfen sind.
🔌 Elektrisch oder Benzin: die Rechnung mit dem Preis Ihrer GemeindeVergleichen Sie die realen Kilometerkosten nach Ihrem kWh- und Treibstoffpreis →Häufige Fragen
Wie hoch ist der durchschnittliche Strompreis in der Schweiz 2026?
Rund 27,9 Rp./kWh für einen Musterhaushalt der Kategorie H4 (4'500 kWh pro Jahr), Standardprodukt, inklusive aller Abgaben und Gebühren. Das entspricht einer Jahresrechnung von rund 1'255 CHF.
Warum ist der Strom in meiner Gemeinde so teuer?
Drei Hauptursachen: die Kosten des örtlichen Netzes (ein kleiner Betreiber mit wenigen Kunden auf weitem Gebiet kostet pro kWh mehr), das Fehlen eigener Produktion in der Nähe und die Höhe der kantonalen und kommunalen Abgaben. Keine dieser Ursachen ist von Konsumenten beeinflussbar.
Kann man in der Schweiz den Stromanbieter wechseln?
Als Haushalt nicht. Nur Verbraucher über 100 MWh pro Jahr haben Zugang zum freien Markt. Ein Haushalt bleibt Kunde seines örtlichen Netzbetreibers, kann aber unter dessen Produkten wählen.
Wann sind die neuen Tarife bekannt?
Die Netzbetreiber müssen ihre Tarife für das folgende Jahr bis Ende August publizieren. Die konsolidierten Daten aller Gemeinden werden anschliessend von der ElCom veröffentlicht.
Kann ein Umzug in die Nachbargemeinde wirklich einen Unterschied machen?
Ja, und manchmal einen bedeutenden: innerhalb desselben Kantons kann der Unterschied zwischen zwei Nachbargemeinden über 10 Rp./kWh betragen, also mehrere Hundert Franken pro Jahr. Das rechtfertigt natürlich keinen Umzug, ist aber prüfenswert, wenn man ohnehin zwischen zwei Wohnungen zögert.
Sind diese Preise inklusive Mehrwertsteuer?
Die von der ElCom publizierten Tarife sind ohne MWST angegeben. Auf Ihrer Rechnung kommt die MWST (8,1 % im Jahr 2026) zum Total hinzu, ebenso allfällige feste Messkosten Ihres Netzbetreibers.
- Eidgenössische Elektrizitätskommission ElCom — strompreis.elcom.admin.ch: offizieller Tarifvergleich pro Gemeinde.
- Open Data des Bundes (LINDAS): Cubes «electricityprice» und «electricityprice-canton», Tarifjahr 2026, Kategorie H4, Standardprodukt.
- Stromversorgungsgesetz (StromVG): Schwelle von 100 MWh für den Zugang zum freien Markt, Regulierung der Netztarife.
- Bundesamt für Energie — bfe.admin.ch: Netzzuschlag und Förderung erneuerbarer Energien.